Online Marketing wird im deutschsprachigen Raum bei den Entscheidern noch nicht richtig wahrgenommen und in seiner Dimension erkannt, obwohl die Zahlen und Entwicklungen der letzten Jahre vielversprechend sind.
Ich habe mich in den letzten Jahren, auch wegen verschiedener Webprojekte, ständig mit dem Thema beschäftigt. Dabei habe ich aber die Sicht eines Webseitenbetreibers oder Produktherstellers eingenommen und nicht des eines Agenturverantwortlichen oder Marketingleiters. Zweitere haben sicherlich nicht oft hinter die Kulissen eines richtigen Webprojektes gesehen oder waren für die Vermarktung bei einem Hersteller zuständig. Oft kennen Sie die einschlägigen Begriffe wie „Blog“ oder „Community“ nur vom Hören und der Vorstellung was es ist. Sie haben also meist eine anderen „View“.
Online Marketing bietet viele neue Kanäle zum Kunden. Online Marketing bietet viele neue Kommunikationsformen mit Kunden. Online Marketing bietet eine komplett neue Spielwiese für Kreativität. Online Marketing muss man, erst einmal, gedanklich komplett von Offline Marketing trennen, bevor man es in einen Gesamtmarketingplan wieder integriert und mit anderen Massnahmen harmonisiert. Und das, deshalb, weil man sonst mit den Stereotypen der Werbebranche, wieder in altes Fahrwasser gerät. Die „Online“ - Welt ist frei, zumindest was legale Dinge angeht. Sie ist nicht an Auflagen, Seitengrösse, Politik, Seilschaften und sonstige Verzerrungen gebunden. Man erkennt, dass die Werbebranche die Entwicklung verschlafen hat, daran, dass die Welt sich ihre eigene Informationsquelle geschaffen hat. Foren, Blogs, Preisvergleicher und Communities diskutieren schon lange über die Vor- und Nachteile von Produkten, Unternehmen, deren Image, deren Strategie und Ethik. Diese „Beeinflussung“ wirkt sich oft nicht im Sinne der Marketingstrategie der Unternehmen aus. Es ist das erste mal in der Geschichte des Marketing, das es ein, vom Volk selber benutztes System gibt, in dem Massen Meinungen bilden, ohne, dass das von jemanden gesteuert werden kann. Das ist eine Informationsrevolution, die dem einen oder anderen Unternehmen in erheblicher Weise und unvorhergesehen eine tiefes Marketingloch und damit Umsatz- und Ertragseinbussen bringen kann.
Wenn man bedenkt, wie klein noch der Anteil der User ist der diese Systeme tatsächlich benutzt, und welche Auswirkungen diese bereits haben. Wenn man bedenkt wie ausbaubar die Technologie und die Möglichkeiten für die Kommunikation noch sind und welchen Umfang sie noch einnehmen können. Dann begreift man, an welchem Anfang wir gerade stehen. Aus meiner Sicht wird soeben eine neuer Kondratjew-Zyklus (de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklus) begonnen. Auf Basis der Internet-Technologie wird es eine zweite Welt der Kommunikation geben. Mit anderen Regeln, mit anderen Themen und anderen Teilnehmern. Diese wird die erste „Kommunikationswelt“ so stark beeinflussen, wie sie vorher noch nie beeinfluss wurde.
Ein Beispiel: Apple hat dieser Tage seine Set-Top-Box „Apple TV“ vorgestellt mit der man Filme aus dem Internet am Fernseher ansehen kann. Apple hat eine Software namens „iTunes“ mit der man die Filme aus dem Internet downloaden kann. Apple hat eine Shopping-Lösung für iTunes in dem man Filme und Musik kaufen kann. Apple hat Verträge mit grossen Filmstudios, Nachrichtensendern und anderen Film-Lieferanten die die Filme für den Shop liefern. Der eigene „Apple“ Kanal bis in das Wohnzimmer ist damit perfekt. Über diesen Kanal, kann eine einzige Firma, Filme, News, Musik, Bilder, Texte, Werbung, Clips und Podcasts direkt von der Herstellung bis in das Wohnzimmer, zugeschnitten auf eine Person liefern. Der Kanal bietet unzählige Möglichkeiten für Information, Zusatznutzen und Werbung. Es ist nur eine Frage der Zeit wann Apple, mit Steve Jobs Firma Pixar, eigene Filme und News kreiert und über diesen Kanal anbietet und verkauft. Der Kanal wird durch das neue „iPhone“ auch noch auf ein mobiles Gerät erweitert. Damit könnte Apple die Reichweite, auf einen Schlag, auch noch um ein Vielfaches erhöhen.
Dieser Kanal ist von allen anderen Einflüssen frei. Kein Politiker, Vorstand eines Verlages, der Kirche, der Gewerkschaften oder anderen Interessengruppen kann ihn beeinflussen. Die Abhängigkeiten von Lieferanten sind so gering und auswechselbar, dass diese keinen Einfluss haben werden. Das ist auf der einen Seite Freiheit pur und bietet auf der anderen Seite extreme Abhängigkeit. Apple wird sicherlich nicht das einzige Unternehmen in diesem Segment bleiben, aber die herkömmlichen Fernsehsender werden damit stark in ihren Mitteln beschnitten und müssen sich auf ein mal auf einen Käufermarkt einstellen. Was für ein Ding, nach deren Monopolen. Da versteht auch jeder, warum die ganze „alte“ Medienwelt, gegen das Internet wettert was das Zeug hält. Kinderporno, Phishing, Betrug, Raubkopien, Datenklau, an allem war und ist bei denen nur das Internet schuld. Selbst die Politiker habe die Gefahren erkannt und verlangen (Deutschland: Otto Schily, Günter Beckstein) tiefsten Zugriff auf alle Daten und machen das Internet für „Organisiserte Kriminalität“ verantwortlich.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Das Beispiel zeigt welche Möglichkeiten für neue Kanäle über Online-Systeme in Zukunft möglich sind. Auch ist mir aufgefallen, dass die gesamte, herkömmliche Kommunikation an den Grenzen halt macht. Banner für Deutschland dürfen nicht in der Schweiz gezeigt werden oder umgekehrt. Interessiert es irgend einen User ob er seine Information oder ein Produkt in Deutschland oder der Schweiz bezieht. Mal von notorischen Nationalisten abgesehen. Wenn der Preis inkl. Lieferkosten vergleichbar ist, ist es dem normalen User egal. Dem Marketing aber nicht! Ist das Marketing altmodischer als die User selber? Muss man sich da fragen. Ich persönlich habe kürzlich über eBay, bei einem taiwanesischen Unternehmen, mit Sitz in Hongkong (also China) eine externe USB Festplatte, zu einem sagenhaften Preis bestellt, per PayPal bezahlt und per DHL innerhalb von zwei Tagen geliefert bekommen. Das Produkt ist top und gefällt mir gut. Eine Marketingkampagne also die in Deutschland nach alter Vätersitte, nur auf den Deutschen Markt ausgerichtet wird, ist dagegen geradezu anachronistisch. Was ich damit sagen will ist, dass Online - Kampagnen anderen Grenzen folgen müssen und zwar nicht den Staatsgrenzen, das können je nach Kampagne andere sein. Die Sprache, eine Club-Zugehörigkeit, das Alter etc. Erst ganz, ganz langsam scheinen das Verantwortliche zu erkennen und Kampagnen danach auszurichten.
Teil 2 folgt.
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